{"id":22,"date":"2009-04-20T15:22:43","date_gmt":"2009-04-20T13:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.staffler.net\/WP\/?page_id=22"},"modified":"2011-12-13T09:53:55","modified_gmt":"2011-12-13T08:53:55","slug":"franzosisch-duschen-ein-abenteuer-in-colmar","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/blog.staffler.net\/?page_id=22","title":{"rendered":"Franz\u00f6sisch Duschen, ein Abenteuer in Colmar"},"content":{"rendered":"<h2>[picasaView album=&#8217;ADR2005&#8242; directview]Das Franz\u00f6sische Duschen hat seinen Namen davon, da\u00df<\/h2>\n<h4>1. es in Frankreich gemacht wird.<\/h4>\n<h4>2. man es in Frankreich mit 2 h\u00fcbschen Franz\u00f6sinnen macht.<\/h4>\n<h4 style=\"text-align: justify;\">Allerdings musste ich mir diesen Genu\u00df etwas m\u00fchsam erarbeiten:<\/h4>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Eigentlich wollte ich nur mit Steffen H. und den Gsi-Bergern Jack, Andi und Konsorten an den Anneau du Rhin fahren, um mal wieder die Knieschleifer kr\u00e4ftig in den els\u00e4ssischen Asphalt zu dr\u00fccken. <!--more-->Die erste organisatorische Schwierigkeit f\u00fcr mich war es, ein passendes Ringgef\u00e4hrt zu finden, da meine Monster doch etwas l\u00e4nger in der Werkstatt stand, um die bevorzugte 14\/39 Sekund\u00e4rverzahnung zu bekommen. Auf einen Tipp von Hannes D. hin fragte ich doch beim Veranstalter direkt nach, ob der auch was verleihe, und nach einem kurzen Telefonat wurde mir eine CBR600RR als \u201eRinggef\u00e4hrte\u201c versprochen.<br \>\nDie Hinfahrt am Freitag, den 20.Mai 2005 verlief ereignislos; Das Hotel wurde gleich gefunden, und wir trafen uns mit den anderen aus \u00d6sterreich um die professionelle Gastronomie in Breisach mit pl\u00f6tzlich sehr reduzierter Essensauswahl ab 22:00 Uhr anzutesten. Dienstleistungsgewerbe als Insel der Seligen auf dem Stand der 60er 70er Jahre, als man als Kunde noch Bittsteller war. Die Besucherzielgruppe der Region scheint eindeutig aus jenem Erdzeitalter zu stammen, f\u00fcr die dieser Nicht-Service normal zu sein scheint.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Leider empfing uns der Samstag mit dem schlechtesten Szenario, das sich ein Ringfahrer vorstellen kann: Regen.<br \>\nLeicht angespannt fuhren wir an die Boxen, wo ich mir gleich meine CBR abholte. Fasziniert betrachtete ich mit Steffen zwei identische CBR1000RR in original Honda-Repsol Werk-Kriegsbemalung. Die stolzen Besitzer, ein in Ehren ergrautes Weiskopfadlerp\u00e4rchen mit langen Kopffedern um die 50, rundeten das ganze Bild mit ihren Original Dainese Repsol Werkslederkombinationen ab. Nach kurzen Erl\u00e4uterungen des freundlichen Veranstalters erhielt ich eine quasi nagelneue CBR mit gerade mal 800km auf dem Tacho. Der Blick auf die mir unbekannten Dunlop D213 (oder waren es 218?) verschaffte mir leichtes Unbehagen. Ein mir unbekanntes Motorrad, mir vollkommen unbekannte Reifen in einem mir bei Regen unbekannten Gel\u00e4nde lie\u00df meine Skepsis die Stirn in ein Waschbrett aus Sorgenfalten legen. Meine sehr offensichtliche Mimik wurde dann auch sehr richtig gedeutet und mit einem \u201e..die Reife sinn subbe\u201c leicht gegl\u00e4ttet. Mit den freundlichen Worten: \u201eBenutze sie als w\u00e4re es deine eigene\u201c \u00fcbergab mir der freundliche Herr die Schl\u00fcssel. Wie er das wohl gemeint hat? Wei\u00df er, wie ich mit meinen Dingen umgehe? Nun gut, meine Putzschw\u00e4che f\u00e4llt wohl bei 2 Tagen Gebrauch nicht so sehr ins Gewicht. Wir bereiteten die Motorr\u00e4der auf Ringbetrieb vor: Blinker und Scheinwerfer abkleben, Spiegel abmontieren und zur Lautst\u00e4rkemessung. Nach der Gruppeneinteilung wurde unser erster Turn im Regen gefahren, was mich dazu veranlasste, doch die Regenkombi \u00fcberzustreifen.<br \>\nIch war \u00fcberrascht, wie schr\u00e4g man doch auch im Regen um die Kurve fahren kann, solange man einen weichen gef\u00fchlvollen Fahrstil pflegt. Die n\u00e4chsten zwei Turns trocknete der Belag entlang der Ideallinie dann immer mehr auf und es ging etwas flotter voran.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich meine erste Scheu verloren hatte, bekam ich dann doch tats\u00e4chlich die ersten Probleme mit diesem kleinen hochtourigen Hubraumzwerg. Da ich als Freund der Zweizylindrigen und somit maximal 4 Stelligen Drehzahlen anfangs gro\u00dfe Scheu hatte, den Motor h\u00f6her zu drehen, verlor ich pl\u00f6tzlich am Kurvenausgang den Kontakt zum Vordermann, und das obwohl ich schon sensationelle 8000 Umdrehungen\/Minute drauf hatte!<br \>\nIch molk wie ein Reckturner den Gasgriff, aber anstelle einer aufjaulenden Kuh hatte ich einen zahmen, leise winselnden Ochsen aus dem Streichelzoo unter mir. Spontan \u00fcberkam mich der rettende Einfall: Ich mu\u00df zur\u00fcckschalten! Ein kurzer Tipper auf den Schalthebel \u00e4nderte schon etwas: Der Zeiger des Drehzahlmessers schnellte etwas hoch, und das Betriebsger\u00e4usch wurde geringf\u00fcgig lauter. Das Entschwinden der hurtig Vorausfahrenden wurde aber dadurch leider nicht aufgehalten. Ein nochmaliges Steppen auf den Ganghebel, nat\u00fcrlich ohne Kupplung, wie es sich f\u00fcr einen M\u00f6chtegernrennfahrer geh\u00f6rt, hauchte dem zahmen Ochsen mit einem kurzen Ruck pl\u00f6tzlich neue Fortpflanzungsorgane ein und kommentierte den Vorgang mit einem zufriedenen leicht zornigen, hei\u00dferen Br\u00fcllen. Der Blick auf den Drehzahlmesser zeigte bereits 13Tausend Umdrehungen der Kurbelwelle pro Minute an und es stellte sich erstmals der Eindruck von richtiger Beschleunigung ein. Na bitte, geht doch!<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Angespornt von der kernigen R\u00fcckmeldung des wieder \u201eerstierten\u201c Hubraumzwergenochses steppte ich nochmals einen Gang runter &#8211; selbstredend ohne Kupplung &#8211; und hatte als Quittung f\u00fcr mein r\u00e4udiges Verhalten schlagartig mit einem hochgelupften Vorderrad zu k\u00e4mpfen, kommentiert von einem roten schnell blinkenden Warnlicht am Drehzahlmesser, welches mir einen Gangwechsel sofort sehr nahe legte. \u201eWau!\u201c, dachte ich mir, \u201eso muss man die Sau \u00e4h Ochs, also drehen, dann geht ja wirklich was weiter!\u201c Da ich unheimlich sp\u00e4t bremste, was ja wegen der auftrocknenden Fahrbahn immer besser klappte, kam ich kurz vor dem Ziel wieder an die Gruppe ran, und konnte mir ein zufriedenes \u201eMuh\u201c unter dem Helm nicht verkneifen. Jetzt ging es immer flotter voran und ich experimentierte flei\u00dfig an der Gangschaltung rum, da ich mit solchen Hochdrehzahlkonzepten absolut keine Routine hatte. Ich brauche nat\u00fcrlich nicht zu erw\u00e4hnen, dass ich dabei abermals ein paar Mal leicht den Anschlu\u00df verlor, denn so eine falsche Gangwahl vor der Kurve mit einem Hubraumzwerg kann schon \u00e4rgerlich sein.<br \>\nAber sp\u00e4testens nach 2 Anbremszonen war das Problem wieder erledigt, und merkte mir die Kurve eben f\u00fcr einen niedrigeren Gang vor. Dann war pl\u00f6tzlich Mittag. Ich konnte mich dann noch gut erinnern, wie wir ein Flammk\u00fcchle a\u00dfen, und die Gsiberger auf Besuch kamen und ein paar Fotos schossen. [Schnitt]<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich liege in einem wei\u00dfen Zimmer auf dem R\u00fccken und f\u00fchle mich wie in einem Traum im Traum, aus dem ich langsam aufwache, aber immer noch in der Unwirklichkeit gefangen bin. Es ist als ob sich mein Geist, meine Gedanken langsam wieder mit meinem K\u00f6rper zu synchronisieren beginnt, nur fehlt es mir noch an einer sinnvollen Erkl\u00e4rung, und irgendwie warte ich wohl einfach darauf, endlich zu Hause in meinem Bett aufzuwachen. Ich sehe zu meiner Rechten Seite den Kopf von Barbara und dahinter den von Steffen. Irgendwie ist mir das dann doch zu real, und ich beginne die beiden Gestalten anzusprechen. Folgender Dialog wurde aus den Aussagen der beiden wieder hergestellt, ich kann mich fast an gar nix mehr errinnern.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: W-W-Wo bin ich?<br \>\nS\/B: In Colmar.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Was haben wir gemacht?<br \>\nS: Motorrad Fahren<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Wie sind wir hier hergekommen?<br \>\nS: Mit dem Bus<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Wer ist gefahren?<br \>\nS: Ja du!<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Zu zweit?<br \>\nS: Nein Brabra war auch dabei<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Was ist passiert?<br \>\nS: Du hast einen Highsider gehabt<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Mit dem Motorrad?<br \>\nS: Jaaa!<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich: Und? Hoher Luftstand?<br \>\nS: Ja, soweit ich das sehen konnte.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Dieser obige Dialog erlangte eine 3malige Wiederholung, wobei meine Fragen fast immer in der gleichen Reihenfolge kamen. Nachdenklich stimmt mich meine letzte Frage, wo es mir wohl im Delirium noch unheimlich wichtig gewesen sein muss, wenigstens einen spektakul\u00e4ren Abgang gemacht zu haben.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Ich habe dann noch mit meiner Freundin und meinen Eltern telefoniert, oder besser gesagt, Steffen hat angerufen und mir den H\u00f6rer hingehalten, und habe erz\u00e4hlt, dass es mir gut geht, und dass alles in Ordnung sei. Auch da muss ich wohl gewisse Dinge mehrmals gefragt haben, keine Ahnung ich wei\u00df eh nix mehr davon.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Auch eine Krankenschwester soll ich durch eine unfl\u00e4tige Bemerkung wieder verscheucht haben. Zum Gl\u00fcck wei\u00df ich von nix.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Dann kam die Bestandsaufnahme:<br \>\nSchl\u00fcsselbein: Tr\u00fcmmerbruch, Ellbogen: Gelenksprellung mit dickem<br \>\nSchleimbeutel, Rippenprellung links, Prellung der rechten Hand und eine<br \>\nschwere Gehirnersch\u00fctterung mit einer leichten Gehirnblutung.<br \>\nBarbara erz\u00e4hlte mir, dass ich schon beim CT (Computertomographie) war, und dass alles nicht so schlimm sei. Ich bedankte mich noch f\u00fcrs Mitkommen, entschuldigte mich f\u00fcr die Umst\u00e4nde die ich bereitet hatte und dass ich uns wohl das Wochenende kr\u00e4ftig versaut h\u00e4tte. Zumindest gaukelt mir meine Erinnerung das vor, ob es tats\u00e4chlich stimmt, m\u00fcssen die anderen sagen. Da lag ich nun wie ein hilfloser Maik\u00e4fer am R\u00fccken und betrachtete meine rechte Hand, die so blau und angeschwollen war wie ein Winterhandschuh.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">*****************************************<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Was nun passiert war, nochmals aus der Erz\u00e4hlung meines Hintermanns:<br \>\nErl\u00e4uterung von Steffen, der den restlichen Teil aus naheliegenden Gr\u00fcnden besser in Erinnerung hat:<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Die Rahmenbedingungen:<br \>\nWir waren in der \u201esehr schnellen\u201c Gruppe (also die schnellste von f\u00fcnf Instruktorgruppen) unterwegs, die von Hebbe Speer auf seiner 05er GSX-R 1000 auf Michelin Pilot Power instruiert wurde. Ich hatte praktischerweise ebenso neue Pilot Power auf der R6, da ich mir diese nach dem Highsider beim Michelin Power Day am N\u00fcrburgring letztes Jahr vorausschauenderweise bereits in den passenden Dimensionen habe mitgeben lassen. Somit mu\u00dfte ich mir keine Sorgen machen, ob denn die Haftung \u00e1uf nasser Strecke mit der des Instruktors vergleichbar w\u00e4re\u2026<br \>\nDer erste Turn nach dem Mittagessen war meiner Erinnerung nach noch trocken, und nach diversen Kaspereien beim Vorbeifahren am Fahrerlager begann das Tempo langsam, etwas interessanter zu werden, so da\u00df bei der Vorbeifahrt am Fahrerlager keine Zeit mehr f\u00fcr lustige Foto-Posen blieb. Allerdings stellte sich heraus, da\u00df die \u201esehr schnelle\u201c Gruppe recht stark durchmischt und, vom fahrerischen Potenzial gesehen, eher heterogen war. Aus diesem Grund stellte ich mich nach M\u00f6glichkeit bei der Vorbereitung auf den Turn mit Richie hinter mir immer direkt hinter den Instruktor, was zwei Vorteile hatte: Zum einen konnte ich mir bereits in der Warmlaufrunde die Linie in Ruhe zu Gem\u00fcte f\u00fchren, zum anderen hatte ich so wenigstens eine schnelle Runde hinter dem Instruktor\u201c in der Tasche\u201c. Dabei stellte sich aber auch heraus, da\u00df es unter dieser Konstellation mit zunehmendem Tempo besonders gerne zu einem Abri\u00df gr\u00f6\u00dferer Teile der Gruppe kam. Wie es geschah So auch im zweiten Turn nach dem Mittagessen, gegen 15:00. Die Einlaufrunde und die erste H\u00e4lfte der ersten schnellen Runde waren noch sch\u00f6n trocken, so da\u00df es in halbwegs vern\u00fcnftigem Tempo langsam interessanter wurde. Nach der H\u00e4lfte der ersten schnellen Runde setzte allerdings relativ heftiger Regen ein, was die Strecke innerhalb kurzer Zeit fl\u00e4chendeckend mit Wasser bedeckte. Zu meinem Erstaunen verminderte Hebbe das Tempo nur geringf\u00fcgig und ich mu\u00df zugeben &#8211; obwohl ich eigentlich gar nicht so schlecht mit Regen auf der Rennstrecke zurechtkomme \u2013 da\u00df ich es nur mit etwas \u00dcberweindung und blindem Vertrauen in den hochgelobten Pilot Power und unseren Instruktor hinbekam, keinen Abstand zwischen mir und Hebbe entstehen zu lassen. Entsprechend dem doch recht hohen Tempo f\u00fcr die Verh\u00e4ltnisse riss auch diesmal der Kontakt zur restlichen Gruppe umso mehr ab, so da\u00df ich beim Wechsel auf der Geraden nur den direkt hinter mir fahrenden Richie vorlassen konnte, w\u00e4hrend dem Rest der Truppe die Gerade offenbar zu kurz war, um wieder aufzuschliessen. So fuhr ich nun also direkt(=ca. drei bis f\u00fcnf Meter) hinter Richie her, der allerdings offensichtlich \u00e4hnliche Bedenken bez\u00fcglich der Haftung hatte, was in Verbindung mit dem ungewohnten Untersatz dazu f\u00fchrte, das Herbert Speer relativ z\u00fcgig entschwand und Richie und ich mit relativ viel Abstand nach vorne und hinten durch den str\u00f6menden Regen \u00fcber den AdR fuhren.<br \>\nAm Ausgang der langezogenen Rechtskurve vor dem FlicFlac musste ich dann leider sehen, wie Richie ziemlich pl\u00f6tzlich ziemlich quer stand. Ich hoffte inst\u00e4ndig, da\u00df er den Drift irgendwie unter Kontrolle bringen w\u00fcrde, weil ich angesichts dieser Bewegung ziemlich genau ahnte, was ansonsten als n\u00e4chstes passieren w\u00fcrde \u2013 zumal ich mich nat\u00fcrlich auch selber in Gefahr sah, da ich ja direkt, also wirklich _direkt_ hinter ihm war.<br \>\nLeider erf\u00fcllte sich meine Hoffnung nicht und im n\u00e4chsten Moment hatte ich angesichts dessen, was sich dort vor mir abspielte, ein Gef\u00fchl, was sich selbst durch das iinbr\u00fcnstigste und kraftvollste Herausschreien eines g\u00e4ngigen F\u00e4kalbegriffs nichteinmal ansatzweise ausdr\u00fccken l\u00e4\u00dft. Richie wurde vom zur\u00fcckbockenden Motorrad hoch in die Luft geschleudert, und w\u00e4hrend ich zum einen voller Schock und ohnm\u00e4chtiger Sorge war, waren zus\u00e4tzlich alle verf\u00fcgbaren Sinne und Muskelkoordinationssysteme damit besch\u00e4ftigt, einen Weg zwischen Richie (den es relativ weit nach rechts katapultierte) und vor allem Richies Motorrad auf der rechten Seite und dem Streckenrand auf der linken Seite zu finden, um das Fiasko nicht durch einen Abgang meinerseits zu komplettieren. Auch, wenn mein zu diesem Zeitpunkt bis unter die Sch\u00e4deldecke adrenalinisiertes Reaktionssystem voll ausgelastet war und gottseidank erfolgreich agierte, stellte ich im Augenwinkel doch fest, da\u00df Richie, als er schr\u00e4g rechts im Augenwinkel aus der Luft wieder auf dem Asphalt aufschlug, keinerlei Aktivit\u00e4ten zeigte, um seine Rutschphase irgendwie zu steuern. Anders ausgedr\u00fcckt: Sein K\u00f6rper schlidderte mit h\u00e4ngenden Armen und erschlafftem K\u00f6rper \u00fcber den Asphalt. Auch, wenn man das normal nicht tun soll und ich das auch wei\u00df, entschied ich mich kurzfristig, eine einigerma\u00dfen gefahrlose Stellezu suchen, bremste mein Motorrad bis zum Stillstand und drehte mich um, um nach Richie zu sehen. Es eilten sofort Streckenposten zu ihm hin, so da\u00df ich nach einigen Sekunden des Z\u00f6gerns den lauten Rufen der vorbeifahrenden Instruktoren folgte und meinen Weg zur\u00fcck ins Fahrerlager ansteuerte. Dort war Barbara vermutlich recht froh, wenigstens mich zu sehen, denn Sie hatte den Knall des Highsiders bis ins Fahrerlager geh\u00f6rt und war davon ausgegangen, da\u00df so ein Ger\u00e4usch nicht von einem einzelnen Motorrad verursacht sein k\u00f6nnte \u2013 die R\u00fcckkehr der gesamtem Instruktorgruppe mit Ausnahme von Richie und mir hatte ihr wohl auch ordentlich zugesetzt. Als n\u00e4chstes warteten wir einige Minuten, bis der Krankenwagen im Fahrerlager eintraf. Es war eine gro\u00dfe Erleichterung, Richie dort drin mit offenen Augen und offensichtlich wieder bei Bewu\u00dftsein zu sehen. Offenbar hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits gro\u00dfen Ehrgeiz, die einheimische Sprache zu erlernen und wiederholte einige male \u201eclavicule\u201c und die \u00dcbersetzung \u201eSchl\u00fcsselbein\u201c.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Nach einiger Zeit zum runterkommen fuhren wir dann mit dem Sprinter und schauten nach Richie in der Notaufnahme, um zu erfahren, was denn nun Stand der Dinge ist und Heike, die \u00fcbrigens wenige Minuten nach dem Sturzzeitpunkt auf Richies Handy angerufen hatte, gesichtere Infos geben zu k\u00f6nnen. [Erg\u00e4nzungen sonst: Der Helm ist anst\u00e4ndig gerissen, was ja relativ selten vorkommt \u2013 und praktischerweise isses auch kein wirklich schlechter Helm gewesen\u2026; Du hast am Sonntag morgen um 7:00 angerufen und mich vollgelabert, da\u00df ich Deine Sachen im Zimmer zusammensuchen soll \u2013 was ich eh getan h\u00e4tte, aber ich wollte an dem Morgen nach den Vorkommnissen des Vortages mal etwas ausschlafen \ud83d\ude09<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">************************************************<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">\u201eWas f\u00fcr ein Scheiss\u201c, dachte ich mir, \u201eich fahre nie mehr Motorrad, so macht das keinen Spa\u00df\u201c und teilte meiner Botty gleich meinen tempor\u00e4r endg\u00fcltigen Entschluss mit. Ich bekam ein Fl\u00e4schchen Parazetamol direkt intraven\u00f6s verabreicht was mir eine ruhige schmerzfreie Nacht garantieren sollte. Schmerzfrei war es in der Tat, wenn man einen schreienden Zimmerkollegen nicht ins n\u00e4here Umfeld mit einbezieht. Mit lauten, st\u00f6hnenden und langgestreckten \u201eServiiiiiice, Serviiiiice\u201c Schreien rief er die Krankenschwestern im Stundenrhythmus weil er wohl nicht f\u00e4hig war den Rufknopf selbst zu dr\u00fccken. Immerhin schaffte es mein schmerzgepeinigter Zimmernachbar, durch dieses sehr laute, durchdringende Rufen, dass ich sofort durch Dr\u00fccken des Schwesternrufknopfes sehr gerne und sehr schnell behilflich war. Das St\u00f6hnen wurde dann etwas leiser, und entlie\u00df mich in einen leichten, flachen einst\u00fcndigen D\u00e4mmerschlaf, jederzeit Bereit bis zum n\u00e4chsten Einsatz.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Zum Gl\u00fcck wurde ich noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck in ein anderes Zimmer verlegt. Dort war ein \u00e4lterer Herr, Monsieur B\u00f6sch, welcher auch der deutschen Sprache m\u00e4chtig war, und mir endlich alles \u00fcbersetzen konnte, was die fr\u00f6hlichen, lustig kichernden Krankenschwestern mir so alles mitteilen wollten.<br \>\nMonsieur B\u00f6sch sprach mit einem alemannischen Akzent, und erkl\u00e4rte mir beruhigend, dass ich mir keine Sorgen machen brauche, ich w\u00e4re hier in besten H\u00e4nden, und wir w\u00fcrden hier bestens betreut werden. Wenn der Morgen mit einem melidi\u00f6sen \u201eBon Jour\u201c, fein ausziseliert wie in einer Sprachschule &#8211; entschwebt aus dem Mund einer h\u00fcbschen l\u00e4chelnden Krankenschwester &#8211; beginnt, dann musste ich dem alten Herrn unbedingt recht geben. Dass ich dem Monsieur B\u00f6sch noch rechter geben konnte, durfte ich sogleich erfahren, als man mir zu verstehen gab, mich aus dem Bett zu erheben. Da ich noch so geschw\u00e4cht und schwindelig war griffen vier sanfte Arme nach meinem schlaffen K\u00f6per und halfen mir, mich langsam und sehr vorsichtig aufzurichten. Ich f\u00fchlte mich wie besoffen ohne Alkohol und aus den vielen kichernden Franz\u00f6sischlauten konnte ich ein \u201ela Douche\u201c heraush\u00f6ren. \u201eJa, duschen w\u00e4re fein\u201c, dachte ich mir, \u201egeschwitzt habe ich wie ein Sizilianischer Zementmischer unter der Mittagssonne, und das Bett war auch von meinem Schweisse benetzt\u201c<br \>\nNur wie? Ich konnte mich ja nicht mal richtig auf den Beinen halten! Herr B\u00f6sch \u00fcbersetzte mir dann, dass die zwei netten h\u00fcbschen Krankenschwestern jetzt mit mir unter die Dusche gehen w\u00fcrden. \u0001&#8222;\u0003He, ich habe 1.Klasse gebucht?\u201c dachte ich mir und bevor ich mich noch wundern konnte, taumelte ich schlurfend in ein ger\u00e4umigesBadezimmer, und ehe ich mich versah, entledigte mich eine der Krankenschwestern meines Nachthemdes, und die andere zog meine Unterhose bis zu den Fu\u00dfkn\u00f6cheln herab. Zitternd stieg ich aus der am Boden liegenden, verschwitzten und ganz sicherlich auch sehr unangenehm stinkenden Unterhose. Noch bevor ich mich \u00fcber den Service wundern konnte, hatte eine Krankenschwester, nein &#8211; nicht ihren Kittel ausgezogen, sondern hinter mir die Dusche in Betrieb genommen und dr\u00fcckte mich sanft unter den wohl temperierten Wasserstrahl. Bevor ich durch den sanften Stubser infolge meines abwesenden Gleichgewichtssinns umgekippte, stand schon auf der anderen Seite die zweite Krankenschwester und fing meine torkelnde Masse elegant und sanft ab. So stand ich wankend unter der Dusche und wurde an den Flanken von zwei netten kichernden franz\u00f6sischen Krankenschwestern gest\u00fctzt. Sofort begannen die beiden K-Schwestern mit seifegetr\u00e4nkten Waschlappen meinen verschwitzten K\u00f6rper von der obersten Schmutzschicht zu befreien. Vom breiten Scheitel bis zu den breiten Sohlen. Dabei gingen sie \u00e4u\u00dferst penibel und exakt vor, bis zu den Zehenzwischenr\u00e4umen erstreckte sich deren Arbeit. Nat\u00fcrlich wurde auch der Zwischenraum zwischen den beiden gro\u00dfen Zehen sehr sorgsam und reinlich vom Schmutz und Schwei\u00dfe befreit.<br \>\nAuch beim Abtrocknen der empfindlichen K\u00f6rperregionen gingen Sie \u00e4u\u00dferst behutsam vor, und schon hatte ich wieder mein hinten offenes Hemdchen an und wurde langsam wieder in mein inzwischen von zwei anderen netten Franz\u00f6sinnen frisch gemachtes Bett gebracht, flankiert und gest\u00fctzt von meinen beiden Reinigungsfeen.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Dann bekam ich mein Fr\u00fchst\u00fcck gebracht, und da ich praktisch kein Besteck benutzen konnte (Man muss sich das \u00e4hnlich vorstellen wie benebeltes, einh\u00e4ndiges Fr\u00fchst\u00fccken mit Winterhandschuh, also nicht wirklich ideal f\u00fcr feinmotorische Spiele) wurden mir auch gleich noch die Br\u00f6tchen aufgeschnitten und mit Butter und Marmelade belegt und in mundgerechte kleine St\u00fcckchen aufgeteilt. Das war ja mal ein netter Serviiiiice! Mein Stolz gebot aber Einhalt, als die nette Franz\u00f6sin mich sogar noch F\u00fcttern wollte, und l\u00e4chelnd griff ich demonstrativ selbst nach dem aufgeschnittenen Br\u00f6tchen. Leider scheiterte ich kl\u00e4glich beim Versuch aus der Kaffeetasse zu trinken, denn es gelang mir einfach nicht, meinen schmerzenden kaum biegbaren Zeigefinger der rechten Hand durch das Nadel\u00f6hr des Tassenhenkels zu f\u00e4deln. L\u00e4chelnd brachte mir meine Kammerzofe eine passende Ersatztasse, die es mir erm\u00f6glichte entspannt den Morgenkaffee zu trinken. Soweit man das entspannt nennen kann, im Bett liegend aus einer Plastik-Schnabeltasse zu trinken.<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">[picasaView album=&#8217;ADRX-RAY\u0001&#8216;\u0003 directview]<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Um 10 Uhr kam dann meine s\u00fc\u00dfe Botty auf Besuch, was mich sehr gefreut hat, und blieb noch den Tag \u00fcber bei mir. Steffen, Barbara und Jack besuchten mich und nahmen dann noch meine Kombi und meine Brille mit. Und so verbrachte ich dann die Tage bis Mittwoch in diesem Krankenhaus in Colmar, und freute mich auf jeden Morgen, als ich mit einem sanften zarten \u201eBon Jour\u201c fein ausziseliert wie in einer Sprachschule &#8211; entschwebt aus dem Mund einer h\u00fcbschen l\u00e4chelnden Krankenschwester &#8211; geweckt wurde. Der Mittwoch Morgen begann dann schon um 5 Uhr, als ich lautes Geknatter von drau\u00dfen vernahm. Die Ger\u00e4usche klangen irgendwie nach Hubschrauber und Maschinengewehrsalven. Die Kriegsger\u00e4usche wurden dann immer lauter und ein paar Milit\u00e4rhubschrauber flogen knapp \u00fcbers Krankenhaus hinweg, unterst\u00fctzt vom entfernten Maschinengewehrgeknatter. Irgendwie f\u00fchlte ich mich in eine Filmszene aus einem beliebigen Vietnamfilm versetzt: Ich im Feldlazarett und im Hintergrund coole Musik von Jimmy Hendrix. Ein Truppen\u00fcbungsplatz ganz in der N\u00e4he eines zivilen Krankenhauses! Man erz\u00e4hlte mir, dass da wohl die Fremdenlegion wohl f\u00fcr irgendwelche Terroreins\u00e4tze \u00fcben w\u00fcrde. Der Arbeitersamariterbund holte mich dann ab und brachte mich in die BG-Klinik nach Frankfurt, wo ich um 24:00 Uhr abends von der kr\u00e4ftigen Nachtschwester Erna empfangen wurde. Diese f\u00fcr mich pl\u00f6tzlich sehr deutsche, zackige, doch irgendwie freundliche, aber keine Widerspr\u00fcche duldende H\u00e4rte in der Stimme, vor der sogar der Unfallchirurg spurte, verpasste mir fast einen Kulturschock. Aber egal, ich war fast wieder zu Hause, hatte nur eine Nacht und eine Tagschwester zu Gesicht bekommen, und eine kleine quadratische Putzfrau mit obligatem Kopftuch und Infinitiv-Sprache nahm sogleich das Essensgeschirr wieder mit. Der Personalaufwand war in Frankfurt um den Faktor 4 geringer als in Frankreich und die optische Eleganz der Putzfrau \u00e4hnlich des Leipziger V\u00f6lkerschlachtdenkmals motivierte mich \u00e4u\u00dferst flott den ersten eigenen Duschversuch zu starten. Am Freitag wurde ich dann nachmittags nach erfolgreichem EEG wieder aus dem Krankenhaus BG Unfallklinik entlassen. Meine Monster harrt jetzt immer noch beim H\u00e4ndler, im Gegensatz zu mir aber unversehrt, und wartet schon l\u00e4ngst mit frischem Serviiiiice auf meine Abholung.<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[picasaView album=&#8217;ADR2005&#8242; directview]Das Franz\u00f6sische Duschen hat seinen Namen davon, da\u00df 1. es in Frankreich gemacht wird. 2. man es in Frankreich mit 2 h\u00fcbschen Franz\u00f6sinnen macht. Allerdings musste ich mir diesen Genu\u00df etwas m\u00fchsam erarbeiten: Eigentlich wollte ich nur mit Steffen H. und den Gsi-Bergern Jack, Andi und Konsorten an den Anneau du Rhin fahren, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22"}],"version-history":[{"count":22,"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":165,"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/22\/revisions\/165"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.staffler.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}